Sprachlos auf dem Bokor Hill

Ich war eben joggen, habe gefrühstückt und bin nun auf der Suche nach einem Motorrad-Taxi, dass mich auf den Bokor Hill bringt. Mein Plan: Morgen früh soll’s losgehen, damit ich spätestens um 10 Uhr auf dem Berg bin. Von dort soll es eine wunderschöne Aussicht über Kampot, die Küste und den thailändischen Golf bis nach Vietnam geben.

Also, heute schon einen Fahrer organisieren, damit morgen nichts mehr zu tun ist. Ich bin ja so gut im Planen. Wirklich. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich so programmiert bin, dass ich pro Tag ein Minimum an spontanen Entscheidungen treffen muss, die all meine tollen Pläne über den Haufen werfen…

Ein Fahrer haut mich auf den Strassen Kampots an.

Fahrer: Where are you going?

Ich: You drive to Bokor Hill and back?

Fahrer: Yes.

Ich: How much for both ways?

Fahrer: 20 Dollar.

Ich: Are you kidding me? To much!

Fahrer: How much?

Ich: 4 Dollar.

Fahrer: Oooooooohhhh. I must eat!

Ich: Ok, maybe 5 Dollar.

Und so geht das Spiel hin und her, bis wir uns bei 6 Dollar einigen können. Ich frage mich noch, dass das doch irgendwie ein bisschen wenig ist, schliesslich sind es bis auf den Bokor Hill und zurück 84 Km. Ich sage dem Fahrer, dass ich noch kurz in mein Guesthouse muss, dass gleich um die Ecke liegt. Da ich eigentlich erst morgen gehen wollte und momentan in Rock und Flip Flop rumstolziere, will ich noch kurz Kleider wechseln. So auch getan, aber vor lauter überstürztem Aufbrechen, vergesse ich natürlich Jacke und Sonnenschutz. Das sollte sich später als nicht so toll rausstellen.

Als ich rauskomme und aufs Motorrad steigen will, hat der Fahrer den Besitzer meines Guesthouses dazugeholt, da dieser Englisch kann. Er erklärt mir, dass er nicht für 6 Dollar auf den Bokor Hill fahren könne. Also geht das ganze Feilschen wieder von vorne los, bis wir uns bei 10 Dollar einig werden. Das ist ein fairer Preis.

Zuerst einmal kurven wir kreuz und quer durch Kampot, Motorrad tanken. An allen möglichen Ecken verlangsamt er die Fahrt und ruft seinen Kollegen zu. Ich frage mich, ob er denn Weg nach Bokor Hill gar nicht kennt. Er spricht wirklich kein Englisch, ich wirklich kein Khmer, daher ist auch dieser Versuch einer Konversation schnell zu Ende:

Ich: Do you know the way to Bokor Hill?

Fahrer: Friends!

Ich: Yes, but do you know the way to Bokor Hill?

Fahrer: Friends!

Ach so….. Ich lasse mich also erstmals rumkurven mit dem Vertrauen, dass er schon wissen wird, was er tut. Schlussendlich lädt er mich bei einem Freund ab und sagt mir, dass ich zu ihm aufs Motorrad-Taxi steigen soll. Jetzt begreife ich auch was die ganze Fragerei sollte. Sein Motorrad ist schon so alt und klapprig, dass es nicht mehr den ganzen Weg auf den Berg schaffen würde. Er hat jemanden gesucht, der ein neueres Motorrad besitzt und mich hoch fährt. Diese Entscheidung wiederum, sollte sich als toll herausstellen.

Strasse zur Bokor Hill Station

Der Bokor Hill ist 42 Km von Kampot entfernt. Er liegt auf 1081 Meter Höhe im Preah Monivong Nationalpark und die Aussicht von dort oben gilt als eine der besten Kambodschas.

Bevor es die Strasse hinaufgeht, muss ein Kontrollposten passiert werden, welcher vorschreibt, dass alle die auf einem Motorrad sitzen, einen Helm tragen müssen. Mein Fahrer trägt einen, aber ich nicht. Wo bekomme ich den hier bitte schön einen Helm her? Wir sind schliesslich am Tor zum Nationalpark! Aber wie alles in Kambodscha, kein Problem. Geschäftstüchtige Leute haben bereits einen Stand an der Strasse eingerichtet, wo ich mir für 1 Dollar einen Helm mieten kann…

Ich will euch ja auch nichts vorenthalten… So sieht das Ganze dann aus.

auf dem Weg zur Bokor Hill Station

Mein Fahrer ist super. Er rast nicht wie blöd in der Gegend rum, sondern nimmt diesen Ausflug als willkommene Abwechslung zum sonstigen von A nach B fahren in der Stadt. Er hat ein angenehmes Tempo drauf, nicht zu schnell und nicht zu langsam und nimmt sich Zeit, ebenfalls die Schönheit der Natur zu bestaunen. Wenn ihm was besonders gefällt, verlangsamt er das Tempo. Die Fahrt ist angenehm, die Strasse eine der besten Kambodschas. Brandneu.

Auch er spricht genau so viel Englisch wie ich Khmer: Hallo, Danke und Tschüss. Und darauf beschränkt sich auch unsere Konversation. Wir schaffen es gerade noch, unsere Namen zu nennen. Als wir beim einer grossen Buddhastatue halt machen, will ich von ihm wissen, wie lange es noch geht, bis wir zuoberst ankommen.

Ich: Do you like the view?

Fahrer: (verlegenes lächeln)

Ich: How long to top of Bokor Hill?

Fahrer: m’pay

Ich: m’pay?

Fahrer: Yes, m’pay.

Ich: Ok

mein Fahrer um auf den Bokor Hill zu kommen

Die Umgebung des Bokor Hills und der Nationalpark hat manchen Krieg erlebt. Zuletzt war es bis in die 90er Jahre Rückzugsgebiet der Roten Khmer. Wir stoppen an einer verlassen Kirche, welche einige surreale Einblicke gewährt. Es windet zum Teil sehr stark, ich habe zum Glück eine lange Hose an, bin aber kurzärmlig unterwegs. Obwohl es durch den Wind frisch ist, brennt die Sonne umbarmherzig auf meine Arme, die nur so vor sich hinbrutzeln.

Kirche auf dem Weg zum Bokor Hill

verlassene Kirche auf dem Weg zum Bokor Hill

Nach etwa anderthalb Stunden Fahrzeit erreichen wir den obersten Aussichtspunkt. Die Bokor Hill Station wurde zwischen 1921 und 1924 von der französischen Kolonialherrschaft errichtet, resp. von Gefangenen gebaut, wovon in 9 Monaten 900 hier ihr Leben liessen. Hier gönnten sich vor allem französische Kolonialoffiziere mit ihren Familien eine Auszeit von der staubigen Hitze Phnom Penhs. Heute ist das Gebäude verfallen.

Die Bokor Hill Station

Hinter dem Gebäude präsentiert sich dann die ganze Pracht. Eine Aussicht, einfach herrlich. Da ich ja, wie erwähnt, wieder einmal spontan aufgebrochen bin, ist es mittlerweile fast Mittag und daher leider dunstig. Genau um das zu vermeiden, wollte ich eigentlich am nächsten Tag frühmorgens gehen. Die Aussicht wird dadurch getrübt, nichts destotrotz ist sie aber wunderschön. Den ganzen Hang hinab nur Wald, fast bist zur Küste reicht der Nationalpark. Wenn man ganz leise ist, hört man viele Geräusche aus dem Wald, Affen, Vögel und andere, die ich nicht zuordnen kann.

wunderschöne Aussicht von der Bokor Hill Station

Auf der gegenüberliegenden Seite des früheren Casinos und Sitz der ehemaligen Kolonialherren, gibt es auch wunderschöne Landschaft zu bestaunen. Etwas weiter den Berg runter, wurde eine neue Hotelanlage gebaut. Sie passt so völlig nicht in diese wilde Landschaft. Weitere Hotels, Restaurants und ein Golfklub sollen entstehen.

auf dem Bokor Hill in Kambodscha

auf dem Bokor Hill bei Kampot in Kambodscha

Es gibt nur eine Strasse den ganzen Berg hinauf, die selbe gehts also auch wieder zurück. Noch einen letzten Halt gibts an den Wasserfällen. Ich wollte dort eigentlich gar nicht hin, denn es ist Trockenzeit. Daher gibts höchsten Fälle, aber kein Wasser. Und lustige Mönche. Mein Fahrer bringt mich aber trotzdem hin, da er mich nicht versteht.

Mönche beim Wasserfall in der Nähe der Bokor Hill Station in Kambodscha

Im Leerlauf geht’s dann den ganzen Berg wieder runter, schön gemächlich. Eine Stunde später sind wir wieder in Kampot. Mein Fahrer 10 Dollar reicher, ich mit verbrannten Armen, aber überglücklich.

Es gibt Leute, die spüren die Freiheit mit einer Harley auf der Route 66. Ich bin da nicht so wählerisch. Mir reicht der Rücksitz eines Motorrollers in Kambodscha völlig aus um glücklich zu sein.

 

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8 Comments

  • Romeo says:

    Schaut relativ verlassen und gruselig da oben aus 😉 Wir haben es leider aufgrund des weiten Weges ausgelassen… schade eigentlich!

    • Sarah says:

      Ja, wirklich schade! Der Bokor Hill ist toll und bietet faszinierende Ausblicke. Für mich hat sich der Weg unbedingt gelohnt.

  • Chris says:

    Toller Bericht, macht richtig Lust auf Kambodscha. Vor allem die Sache mit dem Helm und der Geschäftsidee finde ich genial. 😉

    Weiterhin eine schöne Reise!

    P.S.: vorher gerade den Bericht über die Killing Fields gelesen – ebenso toll geschrieben, aber sehr bedrückend, traurig und im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich, wie Menschen nur so absolut grausam sein können. 🙁

  • […] führen, Höhlen mit Fledermäusen, Aussichtsplattformen und Nationalparks. Ein Ausflug auf den Bokor Hill zum Beispiel ist einfach ein Muss. Ebenso gehört ein Besuch der Pfefferplantagen und der […]

  • Hey,
    wir waren gerade eben dort oben, inmitten von Wolken. Aber der Wind hat aus dem grauen Nichts einen Weitblick der Extraklasse in nur fünf Minuten gemacht. Großartig. Aber ebenso das alte Casino von innen. Die tausend Räume, Treppen, Terrassen. Wahnsinn! Hoffentlich bist du da nicht nur vorbei gelaufen.
    Und als Kontrast sind wir natürlich auch in’s neue Casino rein. Geld wohin man schaut, leider nur völlig falsch ausgegeben. Schön ist etwas anderes, aber auch Geschmacksache. Unser Guide gab uns die Info, dass kaum eines der vielen, vielen Zimmer gemietet wird. Also wofür das ganze?
    Auf jeden Fall einen Ausflug wert. Danke für deinen Artikel. Wir werden die Tage auch darüber berichten.
    Viele Grüße aus Kampot, wir verstehen schon nach nur zwei Tagen deine Liebe zu dieser Stadt, dem Städtchen, dem idyllischen Ort.
    Markus & Felix

    • Sarah says:

      Der Bokor Hill ist schon was ganz besonderes und die Aussicht einfach klasse. Ein Trip dorthin lohnt sich auf jeden Fall. Schade, dass sie das neue Casino gebaut haben. Das ist wirklich nur eine totale Geldverschwendung!

  • […] Touristen fahren jedoch in den Süden. Dort liegen drei Nationalparks (Botum Sakor, Kirirom und Bokor) sowie die Küste. Interessante Ziele sind darüber hinaus Kampot und […]

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