Was ist Workaway?
Workaway ist eine Plattform, die Reisende mit Gastgebern auf der ganzen Welt verbindet. Das Prinzip: Du arbeitest 4–5 Stunden pro Tag und erhältst dafür Unterkunft und Mahlzeiten. Kein Lohn, aber auch keine Ausgaben für das Wesentlichste.
Das Angebot ist riesig: Babysitting, Sprachunterricht, Mitarbeit in einem Hostel, Gartenarbeit, Farmarbeit und eben Kaffeepflücken auf Hawaii. Die Mitgliedschaft kostet 59 Euro und ist zwei Jahre gültig. Damit hast du Zugang zu tausenden Angeboten weltweit.
Wichtig zu wissen: Workaway bietet keine Unterstützung bei Visafragen und übernimmt keine Verantwortung dafür. In den meisten Ländern brauchst du technisch gesehen ein Arbeitsvisum sobald du arbeitest.
In der Praxis reist du als Tourist:in ein und erwähnst die Arbeit nicht. Kläre das immer vorab mit deine:m Gastgeber:in und informiere dich bei der zuständigen Botschaft.
Workaway auf Hawaii: Was du wissen musst
Wer Workaway auf Hawaii machen will, sollte ein paar Dinge im Voraus wissen:
| Details | |
|---|---|
| Beliebteste Insel | Big Island hat die meisten Farmangebote |
| Typische Jobs | Kaffeeernte, Macadamia, Farmarbeit, Housesitting, B&B-Hilfe |
| Arbeitszeit | meist 5 Stunden/Tag, 5 Tage/Woche |
| Visum | Offiziell brauchst du ein Arbeitsvisum, in der Praxis reisen die meisten als Tourist:innen ein und erwähnen die Arbeit nicht. Besprich das Vorgehen vorab mit deiner:m Gastgeber:in und informiere dich bei der US-Botschaft. |
| Krankenversicherung | Pflicht. Prüfe ob deine Police Auslandsaufenthalte abdeckt. |
| Frühzeitig buchen | Hawaii-Plätze sind heiss begehrt – Monate im Voraus anfragen |
Das mit dem frühzeitigen Buchen meine ich ernst. Ich war kurzfristig dran und hatte Glück, dass jemand abgesagt hatte – sonst wäre ich leer ausgegangen. Hawaii ist eine der gefragtesten Workaway-Destinationen überhaupt.
Ab aufs Feld und in die Büsche
Nach meiner Zeit im Strassenkinderhilfswerk in Nepal und dem Wwoofing in Italien war dies mein dritter Arbeitsaufenthalt im Ausland. Diesmal auf einer Farm in der Nähe von Kailua-Kona auf Big Island.
Meine Hauptaufgabe: Kaffeeernte. Das bedeutet konkret fünf Stunden pro Tag Bohnen von den Bäumen holen und zuschauen wie sich der Kübel quälend langsam füllt. Klingt langweilig und ehrlich gesagt ist es das auch ein bisschen. Aber ich habe es trotzdem gemocht. Morgens früh raus, die Hände benutzen, den Kopf frei kriegen. Das hat etwas.
Die geernteten Bohnen wurden danach durch eine Art Mühle gedreht, wo sich die Haut von den Bohnen trennt, und anschliessend an der Sonne getrocknet.
Daraus entsteht der bekannte Kona-Kaffee, einer der teuersten und begehrtesten Kaffees der Welt. Dass ich daran mitgewirkt habe, fand ich irgendwie cool.

…alles in Handarbeit. Man, seh ich vielleicht doof aus hier. Aber ich bin ja zum Arbeiten da, nicht zum Schönsein.
Nebst der Kaffeeernte gab es noch andere Arbeiten: Die Gastgeber führten ein Bed & Breakfast, also hiess es auch regelmässig Zimmer putzen, Betten machen, Balkon wischen.
Normalerweise bin ich der Gast – die andere Seite zu erleben war interessant. Dazu kamen kleinere Arbeiten wie Unkraut beseitigen oder Erde ausheben. Insgesamt abwechslungsreich, aber körperlich fordernd.
Freizeit auf Big Island
Das Workaway-Programm sah fünf Stunden Arbeit täglich vor. Da ich um der Hitze zu entfliehen meist schon um sieben Uhr auf der Plantage stand, gehörte mir der Nachmittag. Die Gastfamilie hat mich oft mitgenommen wenn sie in die Stadt gefahren ist und am Meer abgesetzt.
Das Highlight war das freie Wochenende: Mein Mitvolontär und ich haben uns ein Auto gemietet und sind einmal rund um Big Island gefahren.
Zwei Tage, alle Klimazonen, gefühlt alle Landschaften der Welt. Brütende Hitze, peitschender Regen, getrocknete Lavaströme, Schildkröten am Strand und nachts ein aktiver Vulkan. Big Island ist sensationell – das sage ich unabhängig von allem anderen.
Warum Workaway auf Hawaii kein Erfolg war – und was ich daraus gelernt habe
Ich war froh, als die zwei Wochen vorbei waren. Das sage ich selten.
Die Gastgeber waren – wie soll ich das formulieren – schwierig. Ich hatte keine direkten Probleme mit ihnen, mein Mitvolontär aber schon. Er war ihnen zu langsam, zu hungrig, zu ruhig. Er konnte nichts recht machen und sie haben es ihn spüren lassen. Teilweise musste er acht Stunden arbeiten, obwohl fünf vereinbart waren. Ich habe interveniert, aber geändert hat sich nichts.
Bald war auch ich dran. Als ich für unser Wochenende ein Auto reserviert hatte, verlangte die Gastgeberin abends um 22 Uhr per SMS, die Buchung zu stornieren und woanders zu buchen, weil es für sie fünf Minuten näher gewesen wäre, uns abzusetzen. Ich habe mich geweigert. Das hat die Stimmung nicht verbessert.
Das grösste Problem war die Abhängigkeit: Die Farm lag sehr abgelegen, wir hatten kein eigenes Auto und waren vollständig auf das Gastgeberpaar angewiesen. Das macht dich verletzlich. Dazu kamen hygienische Zustände in der Küche, die ich hier lieber nicht weiter beschreibe.
Meinen Mitvolontär haben sie am Ende quasi auf die Strasse gesetzt.
Ich schreibe das nicht um diese Farm schlecht zu machen. Es ist einfach meine Erfahrung – und die gehört dazu. In Italien hatte ich zwei wundervolle Wochen mit herzlichen Gastgebern. Auf Hawaii leider das Gegenteil.
Das kann passieren und genau deshalb ist die Vorbereitung so wichtig.
Ist Workaway sicher?
Ja, wenn du die richtigen Schritte machst. Meine Hawaii-Erfahrung war kein Workaway-Problem, es war ein falscher Gastgeber. Das lässt sich grösstenteils vermeiden:
- Bewertungen lesen – alle, nicht nur die Neuesten. Gibt es Muster in den Kommentaren?
- Videocall vor der Zusage – Du kriegst ein Gefühl für die Person.
- Details schriftlich klären – Stunden, Unterkunft, Mahlzeiten, Freizeit, Transport
- Nie Geld im Voraus zahlen – das ist kein offizielles Workaway-Modell
- Abgelegene Locations hinterfragen – wie kommst du weg, wenn es nicht klappt?
- Individuell bewerben – kein Standardtext. Erkläre wer du bist und warum du genau diesen Gastgeber willst. Das erhöht die Chancen auf einen guten Match enorm.
Mein Fazit zu Workaway auf Hawaii
Hawaii war magisch. Workaway als Plattform ist grossartig. Dieser spezifische Gastgeber war eine Katastrophe.
Das ist der Unterschied den ich betonen will: Workaway funktioniert, aber nicht jedes Angebot ist gut. Nimm dir Zeit bei der Auswahl, stelle viele Fragen, vertrau deinem Bauchgefühl. Und wenn du Kaffeeernte auf Big Island machen willst: es gibt bessere Gastgeber dort. Such sie.
Mehr über Arbeiten für Kost und Logis, Wwoofing und andere Plattformen findest du hier.
Warst du auch schon mit Workaway im Ausland? Was hast du erlebt?
Arbeiten für Kost und Logis – so findest du die besten Angebote
Wwoofing in Italien: Meine Erfahrungen bei der Olivenernte in der Toskana








17 Comments
Sabrina
14. März 2015 at 11:28Liebe Sarah,
danke für diesen ehrlichen Einblick in deine Erfahrungen auf Hawaii.
Generell finde ich es total super, dass es diese Möglichkeit mit Workaway gibt, das habe ich noch gar nicht gewusst und werde das auf jeden Fall mal auschecken. Hawaii wäre nämlich echt eines meiner Traumziele.
Das Kaffeebohnen so aussehen bei der Ernte wusste ich auch noch gar nicht 🙂
Schade, dass die Erfahrungen am Ende nicht so toll waren. Das ist natürlich total doof. Das Foto von dem Herd ist ja schon mal total eklig..
Gibt es denn eine Möglichkeit, diese Gastgeber irgendwie zu «melden» bei der Organisation, sodass anderen ähnliche Erfahrungen erspart bleiben?
Alles Liebe für dich,
Sabrina
Sarah
15. März 2015 at 16:23Workaway ist wirklich eine tolle Idee und ich würde es immer wieder ausprobieren. Die Gastgeber kann man melden, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Da die Probleme jedoch in erster Linie mit meinem Co-Workawayer aufgetreten sind, muss er das machen. Ich kann mich ja nicht für ihn beschweren. Ich habe ihm das auch schwer ans Herz gelegt, habe bisher aber nichts mehr von ihm gehört.
Bei jedem Workaway Host gibt es auch die Möglichkeit einer «Bewertung» und man kann seine Erfahrungen niederschreiben, was ich gemacht habe. Dies ist für alle zukünftigen Volontäre sichtbar und soll bei der Entscheidung helfen. Meine Erfahrungen dort sind also für alle einsehbar. Für mich ein sehr wichtiger Teil von Workaway: Eine ehrliche Rückmeldung.
www.bereisediewelt.de Endlos Reisen und Arbeiten mit Workaway
22. März 2015 at 19:32[…] will raus ist das beste Beispiel dafür, wie sie unter anderem ihre Weltreise finanziert. In ihrem aktuellen Bericht erfährst Du, wie sie sich als Backpacker mit Workaway eines der teuersten Örtchen der Welt, […]
Sandro
2. Februar 2016 at 16:16Hi Sarah, Ich möchte nächstes jahr, 1 Jahr lang nach hawaii und da mein work and travel machen, ist alles schon in planung. Nur weiss ich nicht welches Visum ich beantragen muss, oder ob es überhaupt ein visum dafür gibt, und wenn nicht, was soll ich dann machen ? Hawaii ist echt mein Traum!
Sarah
2. Februar 2016 at 19:45Hi Sandro. Die Visabestimmungen checkst du am besten beim jeweiligen Auswärtigen Amt. So bist du immer auf dem neusten Stand. Viel Spass auf Hawaii!
Unterwegs arbeiten für Kost und Logie - so gehts | Rapunzel will raus
7. August 2016 at 13:07[…] Beispielsweise habe ich in Nepal in einem Strassenkinderhilfswerk gearbeitet, auf einer Farm auf Hawaii und in Italien oder als selbständige Freelancerin. Du könntest […]
Ramona
5. September 2016 at 16:16Hallo Sarah! Ich habe praktisch das gleiche vor wie du. Allerdings werde ich 2 Monate in einem Hostel auf Maui arbeiten. Ich habe nur große Bedenken bezüglich meiner Einreise.
Haben Sie dich am Flughafen näher ausgefragt was du die ganze Zeit machst? Ich wäre dir suuuuper dankbar wenn du auf den Punkt etwas näher eingehen könntest!:)
Ganz liebe Grüße
Ramona
Sarah Althaus
5. September 2016 at 16:22Das du am Flughafen ausgefragt wirst was du machen willst, ist sehr wahrscheinlich. Gerade in den USA ist diese Fragen eigentlich Standard. Ich würde in diesem Fall nichts von Workaway oder so sagen, sondern einfach mit «Tourism» oder «Holidays» antworten.
Gina
14. April 2017 at 14:07Hallo!
Tolle Berichte schreibst du! Wir befinden uns gerade auf der weltreise und haben in hawaii also big island 3 wochen mit workaway gearbeitet! Die tollste zeit auf unserer reise! Super ort und super nette leute! Haben mit dem ehepaar immernoch kontakt und würden sofort zurücl gehe! Auch haben wir in vancouver island und in cairns tolle erfahrungen mit workaway gemacht! Wir fahren mirgen auf koh rong sanloem!!!
Liebe gruess gina
Sarah Althaus
16. April 2017 at 17:08Das hört sich toll an! Super, dass ihr mit Workaway so tolle Erfahrungen gemacht habt! Auch eure Reiseroute hört sich spannend an. Ich wünsche euch weiterhin viel tolle Abenteuer unterwegs!
Anna
20. September 2024 at 8:00Liebe Gina
Magst du mir verraten bei welcher Familie das war? Ich suche eine tolle Familie für ein Workaway und bin für Tips sehr dankbar 🙂
Liebe Grüsse
Anna
Natalie
18. April 2017 at 12:50Hallo liebe Sarah,
wirklich schade, dass deine Workaway Erfahrung nicht so prickelnd war! Ich fand es aber sehr interessant, auch einmal andere Erfahrungen mit Workaway zu lesen! Ich habe bisher zwei wundervolle und unvergessliche Hostelaufenthalte in Californien und auf Kauai verbracht, und empfehle auch immer allen, die auf Workaway etwas machen wollen, in ein gutes Hostel zu gehen. Bisher hatte ich auch wirklich immer top Hostels, besser hätte es mich eigentich gar nicht erwischen können! Klar, alles Typsache, es kommt natürlich darauf an, ob dir das überhaupt taugt und du Lust auf Hostelarbeit hast, oder eben lieber Farmwork bevorzugst. Für mich waren diese beiden Hostels allerdings die schönste Zeit, die ich im Ausland hatte – viele neue Freundschaften mit denen ich die unvergesslichsten Ausflüge zusammen erlebt habe. Vielleicht hast du ja noch einmal die Möglichkeit und probierst noch etwas anderes aus 🙂
Ganz liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg mit deinem tollen Blog,
Natalie
Sarah Althaus
20. April 2017 at 11:34Hallo Natalie. Ich habe schon oft im Ausland gearbeitet, ob mit Workaway, Wwoofing oder ähnlichem. Meine Erfahrung auf Hawaii war tatsächlich die einzige, die nicht perfekt war. Aber auch da kann ich sagen: Ich bin froh, dass ich dort war! Ich liebe Hawaii über alles und meine Workaway Erfahrungen dort mögen zwar nicht die besten gewesen sein, ich konnte aber trotzdem sehr viel lernen und einiges daraus gezogen. Ich kann die Erfahrung jedenfalls nur weiterempfehlen!
Alisha Anderson
20. September 2017 at 12:09Liebe Sarah,
habe grade deinen tollen Bericht gelesen.
Ich werde ab Februar ebenfalls mit Workaway fast 3 Monate auf Hawaii/Big Island verbringen und freue mich schon sehr. Hättest du eventuell noch irgendwelche Tipps für Big Island oder vielleicht fürs Insel Hopping. Möchte nämlich in der Zeit auf mind. noch eine andere Insel reisen und frage mich, ob es billigere Varianten gibt als mit United o.ä. Airlines zu fliegen.
Ebenfalls wäre es sehr nett, wenn du mir berichten könntest, wie das bei deiner Einreise ablief. Ich habe nämlich oft gehört, dass die einen an der Grenze ganz schön ausquetschen wenn man so lange dort bleiben möchte (bleibe insegsamt 84 Tage). Ich werde natürlich nichts von workaway erwähnen und auch meine Gastfamilie ist bereit im Notfall anzugeben, dass ein Verwandschaftsverhältnis besteht. Falls du ausgequetscht wurdest, welche Fragen wurden dir da gestellt?
Danke im Voraus!
Liebe Grüße,
Alisha
Sarah Althaus
20. September 2017 at 12:35Liebe Alisha, bei der Einreise nach Amerika hatte ich keinerlei Probleme und mir wurden nur die üblichen Fragen gestellt, aber ich wurde keinenfalls damit gelöchert. Jedoch weisst du nie vorher wie das geht, es kommt auch immer etwas auf den Beamten an. Zu Big Island findest du meine Tipps in diesem Artikel: https://www.rapunzel-will-raus.ch/big-island-ein-roadtrip-um-hawaiis-wildeste-insel/ und wie du in Oahu mit dem Bus um die Insel reist, kannst du in meine Gastartikel bei 101places nachlesen: http://www.101places.de/hawaii-mit-dem-bus-rund-um-oahu
Um von Insel zu Insel zu kommen, ist Fliegen die günstigste Option und andere Möglichkeiten gibt es kaum. Aber die Flüge sind nicht teuer und sehr regelmässig.
Anne
1. Juni 2018 at 13:08Hallo ich war mit Workaway in Frankreich und als ich deinen Artikel gelesen habe, hat es mich total an meine Zeit dort erinnert. Wahrscheinlich sind unsere Hosts seelenverwandt. Ich persönlich empfand es eher als Ausbeute und würde es nicht mehr weiterempfehlen.
Schade eigentlich.
Sarah Althaus
1. Juni 2018 at 20:10Ich habe nun ein paar Mal im Ausland gearbeitet und hatte, bis auf diesem Mal auf Hawaii, eigentlich immer sehr gute Hosts. Daher würde ich die Erfahrungen nicht missen wollen und sie auch jederzeit weiterempfehlen. Man weiss nie wie die Gastgeber sind, aber von ihrer Seite her siehts ja auch nicht anders aus. Einfach die Erfahrung zu machen zählt, wie ich finde.